poetryhistory
Als Erfinder des Poetry Slams gilt der amerikanische Bauarbeiter und spätere Performance-Poet Marc Kelly Smith aus Chicago. Smith hielt traditionelle Lesungen mit Tisch und Wasserglas für überholt und langweilig und begann 1984 damit, Literatur anders zu vermitteln.

Er entwickelte den Poetry Slam als Teil einer wöchentlichen Literaturshow. Der erste Poetry Slam fand am Sonntag, dem 20. Juli 1986 in „The Green Mill" statt, wo der „Uptown Poetry Slam" auch heute noch jeden Sonntag stattfindet.

 

Slam in den Vereinigten Staaten

Von Chicago breitete sich dieses Veranstaltungsformat in Nordamerika aus. 1989 gab es zum ersten Mal einen Poetry Slam in New York. Der Literaturaktivist Bob Holman hatte nach einem Besuch in der Green Mill das Format im Nuyorican Poets Café eingeführt und brachte Slam Poetry ins US-Fernsehen, unter anderem ins Programm des Musiksenders MTV.

Die weltweite Verbreitung des Phänomens Poetry Slam ist nicht zuletzt dem Nuyorican Poets Cafe zu verdanken: Radio-Live-Übertragungen von Slams im Nuyorican erreichten Tausende von Zuhörern in Japan und führten zum ersten Slam in München. Der Besuch eines Düsseldorfer Poeten anlässlich des „Deutsch-Nuyorican-Poetry-Festival" im Jahr 1995 führte zum ersten Düsseldorfer Poetry Slam.

1997 wurde in den Vereinigten Staaten der Dachverband PSI (Poetry Slam Incorporated) zur Unterstützung und Verbreitung des Veranstaltungsformates gegründet. Diese Organisation richtet nicht nur den US-kanadischen National Slam aus, der sich inzwischen zum fast einwöchigen Festival mit mehreren hundert Teilnehmern und Tausenden von Zuschauern entwickelt hat, sondern engagiert sich aktiv im amerikanischen Bildungswesen und versucht, Slam auch international zu vernetzen.

Slam im deutschsprachigen Raum

In Deutschland reicht die Tradition des Dichterwettstreits bis ins Mittelalter zurück. Am bekanntesten ist hier der Sängerkrieg auf der Wartburg im 13. Jahrhundert.

Bevor sich in Deutschland die ersten regelmäßigen Slams dauerhaft etablierten, gab es in einigen Städten bereits verschiedene Ansätze und Versuche mit diesem Veranstaltungsformat. Ab 1986 fanden Veranstaltungen unter dem Titel „Jeder darf mal" in Frankfurt am Main statt, ab 1994 mit dem Titel „Poetry Slam" in Berlin, ab 1996 in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf sowie ab 1997 in Hamburg. Diese vier Städte trugen im selben Jahr in Berlin zum ersten Mal einen National Poetry Slam aus. Schon ab 1998 kamen dann weitere Städte wie z. B. Augsburg, Freiburg im Breisgau, Kiel oder Marburg hinzu.

Die Anzahl lokaler Slams wuchs kontinuierlich und überschritt 1999 die deutschen Landesgrenzen nach Österreich und in die Schweiz, die sich im gleichen Jahr auch am National Slam beteiligten, was zwei Jahre später zur Namensänderung in „German International Poetry Slam" (GIPS) führte. Heute heißt die Veranstaltung Deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterschaften. Anders als in den USA gibt es bei den deutschsprachigen Meisterschaften zwei Disziplinen: Neben dem Einzelwettbewerb treten im Gruppenwettbewerb Teams von zwei bis sieben Dichtern an, die mehrstimmig vortragen. 2008 und 2009 erreichten die National Slams nach Veranstalterangaben jeweils fast 10.000 Zuschauer, 2011 sogar fast 15.000.

Um auch dem Nachwuchs gerecht zu werden finden seit 2015 zwei deutschsprachige Meisterschaften statt, einmal der übliche National, zum anderen die U20 Meisterschaft der Nachwuchspoeten.

Die deutschsprachigen Meisterschaften finden 2015 in Regensburg ( U20 ) und Augsburg statt.

Slam heute

Das Veranstaltungsformat Poetry Slam hat sich seit seiner Entstehung vor allem in Nordamerika und Europa ausgebreitet. In Deutschland finden zur Zeit um die 130, in Österreich vier und in der Schweiz sieben Slams regelmäßig statt. Auch in anderen europäischen Ländern finden regelmäßig Poetry Slams statt. In Singapur und in Ubud auf Bali finden die einzigen bisher bekannten Slams Asiens statt. In Afrika gibt es in Gabun einen regelmäßigen Slam und auch in Neuseeland und Australien etabliert sich zunehmend eine Slamszene.

Im Jahr 2004 wurden erste Versuche von Slamweltmeisterschaften gemacht. Sowohl in Greenville, South Carolina, als auch in Rotterdam wurden World Championship Poetry Slams abgehalten, die beide von Buddy Wakefield aus den Vereinigten Staaten gewonnen wurden. Sowohl die sehr hohen Kosten, die mit der Anreise der Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern entstehen, als auch die Sprachbarrieren machen ein solches Unterfangen jedoch zu einem Projekt, das seinem Anspruch kaum gerecht werden kann.
(Quelle wikipedia)